Gruselstrand und Frühlingsanfang

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Meine achte Woche in Christchurch ist angebrochen und der zweite Monat am anderen Ende der Welt neigt sich dem Ende zu. Obwohl mein Gehirn sich längst an die tägliche Job-Routine, die Wege zur Schule und Playgroup, die Zeiten der (Nachmittags-)aktivitäten und die Frühstücksvorlieben meiner Gastkinder gewöhnt hat, trifft mich der Kulturschock von Zeit zu Zeit immer noch völlig unerwartet.

IMG_1922[1]Manchmal sind es kleine Dinge, wie zum Beispiel blühende Osterglocken im September, die einen daran erinnern, dass man sich auf der anderen Seite der Erde befindet. Manchmal sind es aber auch Situationen, die einem wortwörtlich einen Schock verpassen, weil sie schlicht und ergreifend so absurd sind. Da wäre unter anderem das Erlebnis, das ich am Sonntagabend hatte.
Während es draußen bei gefühlten 9 Grad in Strömen regnete, genossen wir im Warmen einen besonders leckeren Burger. Nach und nach füllte sich der Shop und die Tische um uns herum wurden besetzt. Wir waren so ins Gespräch vertieft, dass es uns zuerst nicht auffiel, aber als wir uns einmal umschauten, sahen wir zwei Bänke weiter doch tatsächlich einen Neuseeländer sitzen, der nur mit einem T-Shirt und einem Handtuch bekleidet war.
Dass die Kiwis gerne barfuß unterwegs sind und sich, was das betrifft, auch nicht nach dem Wetter richten, wussten wir bereits, aber ohne Hose? Dieser Anblick beim Burger-Essen war dann doch etwas fraglich.

Doch das war nicht das einzige, was ich die letzten Tage erlebt habe. Am Montag zum Beispiel brachte ich meinen Gastjungen, für den jetzt die Ferien begonnen haben, zu seiner Oma nach Kaiapoi, ein kleines Städtchen außerhalb Christchurchs. Da ich schon einmal vor Ort war, dachte ich mir, könnte ich ja ein bisschen die Gegend erkunden und zum nahegelegenen Pines Beach fahren. Was ich wusste, war, dass das Meer keine zehn Minuten vom Haus der Oma entfernt war. Was ich nicht wusste, war, dass man zum Pines Beach (oder auf Deutsch Kiefern-Strand) durch einen kleinen, verlassenen Wald tuckern muss. Auf dem menschenleeren Parkplatz angekommen, befiel mich auf einmal ein merkwürdiges Gefühl. Dieser Ort war gruselig! DSC04622
Normalerweise habe ich kein Problem, irgendwo alleine hinzufahren und ich muss mich auch nicht immer unter Menschenmassen bewegen, um mich wohl zu fühlen, aber dieser Strand jagte mir aus irgendeinem Grund eine Heidenangst ein.

Da ich nun aber schon durch den Wald gefahren war, wollte ich nicht umkehren, ohne einmal das Meer gesehen zu haben, also ging es schnell rauf auf die Dünen, wo ich ein paar Fotos schoss. Das war dann aber auch genug des Ganzen und ich spurtete zurück zum Auto, das sich glücklicherweise noch genau dort befand, wo ich es zurück gelassen hatte.
Ich weiß, das alles klingt etwas haarsträubend und verrückt, aber ziemlich genau so ist es mir ergangen.
Als wäre das nicht schon genug Aufregung für einen Tag, fand ich mich kurze Zeit später auf der Suche nach einem Schuster für meine Chucks, deren Sohle sich langsam verabschiedet, auch noch plötzlich in Chinatown oder zumindest der neuseeländischen Variante davon wieder.

Langweilig wird’s hier wirklich nie! Und wo ich gerade von Abwechslung spreche, inzwischen bin ich, was meinen wöchentlichen Brotkauf betrifft, glaube ich bei Bäcker Nummer vier angelangt. 12 Monate sind lang, da will ich am Ende wenigstens sagen, ich habe alles probiert!

Was meinen Alltag in der Gastfamilie angeht, der hat sich jetzt wirklich eingespielt. Abends falle ich zwar täglich totmüde ins Bett, meist unfähig, die restliche Freizeit sinnvoll zu nutzen, aber das ist in Ordnung. Das bringt Au Pair-Sein nunmal mit sich. Ein anstrengender Job, aber die besonderen Momente, die ich tagtäglich mit den Kindern teile und die Chancen, die sich mir hier jedes Wochenende auftun, sind wirklich einzigartig. Geplante Trips und Reisen könnt ihr ab jetzt übrigens hier finden.

Bevor ich mich für heute verabschiede, gibt es noch einmal zwei zu erwähnende Dinge. Das eine ist ein ganz lustiges Phänomen, das mir während der letzten Skype- und Facetimegespräche aufgefallen ist. Startet man zu einer Uhrzeit, die für den einen noch früh am Morgen ist, führt das dazu, dass derjenige halbverschlafen vor der Kamera hängt. Während des Gesprächsverlauf wird derjenige allerdings immer wacher, während der andere nun seinerseits anfängt, zu gähnen und Schwierigkeiten bekommt, die Augen offen zu halten. Es ist aber auch eine nervige Angelegenheit diese Zeitverschiebung!

Das andere Thema, das nicht unerwähnt bleiben soll, ist das Heimweh, von dem ich in den letzten Tagen doch vermehrt heimgesucht wurde. Viel ist mir diese Woche und ebenso die vergangene durch den Kopf gegangen. Mir ist zum einen klargeworden, wie eng meine Bindung zu meiner Familie und einigen Freunden in Deutschland ist, aber zum anderen auch, dass sich daran nichts ändern wird, nur weil ich im Ausland bin. Auch wenn ich dieses Jahr in einer Familie wohne, die nicht meine eigene ist, fühle ich mich nun doch wohler und wohler und hole dazu noch mit Ausflügen bei jeder Gelegenheit das Beste aus meiner Zeit hier heraus.

Ach, und wem ist das neue Design aufgefallen? Neue Einstellung, neuer Anstrich dachte ich mir. Etwas frischer Wind. Hier gibt’s auch noch eine Neuerung. Was denkt ihr dazu?

Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern.

3 Antworten zu “Gruselstrand und Frühlingsanfang

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